Beruf(e):
Schneider, Heimaterzähler
Geburtsdatum: 09.04.1891
Geburtsort: Speyer
Sterbedatum (Todestag): 15.10.1976
Sterbeort: Speyer
Begräbnisort: Römerberg-Berghausen
Wohnort(e):
Speyer, Forst a. d. Weinstraße, Heidelberg, Oppenau/Schwarzwald, Leimersheim
Eltern: Leopold Hodapp (Bäcker) aus Oppenau und Katharina Heintz aus Leimersheim
Familienstand: Heirat in Leimersheim am 16.04.1921 mit Ida Horn *09.09.1890 in Leimersheim, +21.12.1967 in Speyer
Kinder: Karl Heinz *18.01.1923, gefallen 09.11.1943 (Ukraine)
Melanie Maria, verh. Bers *23.05.1925 +2.03.2000
Hilda Else, verh. Geiger *30.12.1926 +13.08.2022
Carl Josef Hodapp - ein Leimersheimer Erzähler
Kindheit und Ausbildung
Geboren wurde Carl Josef Hodapp am 9. April 1891 in Speyer in der Pfaffengasse. Sein Vater Leopold war aus Oppenau im Schwarzwald als Bäckermeister in den „Speyerer Hasenpfuhl“ gekommen, um in der Bäckerei Huppuch, die der Schwarzwälder Verwandtschaft gehörte, zu arbeiten. Dort heiratete Leopold die in Diensten stehende Katharina Heintz, Tochter von Schifffartsleuten aus Leimersheim.
Die Mutter starb als der einzige Sohn Carl Josef gerade mal 7 Jahre alt war. Vollwaise wurde er bereits mit 11 Jahren, da der Vater in 2. Ehe in Forst an der Weinstraße verheiratet – 1904 verstarb.
Seine Schulausbildung erfuhr er in Speyer, in Forst und zum Abschluss in Heidelberg, wo ihn Verwandte aus dem Schwarzwald aufgenommen hatten. Über diese Verbindung konnte er in der Heimat seines Vaters eine Schneiderlehre beginnen, die er 1908 mit der Gesellenprüfung abschloss. Seine Lehr- und Wanderjahre wurden durch die Einberufung zum Kriegsdienst beim 9. badischen Infanterie-Regiment Nr. 170 in Offenburg/Baden im Juli 1914 beendet.
Erster Weltkrieg und Gefangenschaft
C. J. Hodapp nahm mit seinem Regiment an Kampfhandlungen im Ober-Elsass und in Lothringen teil, wurde früh verwundet und geriet bei Nancy am 27. September 1914 in französische Kriegsgefangenschaft. In den deutschen Verlustlisten wurde er fälschlicherweise als gefallen vermeldet.
In der langen Zeit von mehr als fünfeinhalb Jahren in französischer Gefangenschaft (u.a. St. Quentin, Grenoble, Fort de Murier, Chapareillan, Fort Barraux) entdeckte er seine schriftstellerische Begabung und „schreibt sich das Heimweh von der Seele“ (Bild2, Bild3). Viele Gedichte und Stimmungsbilder schrieb er an seine Cousine aus der Heidelberger Zeit und weitere Gedichte entstanden, die auf Umwegen über die Schweiz in der „Renchtalzeitung“ und im „Renchtäler“ veröffentlich wurden. Aus dieser Zeit existieren unzählige Manuskripte und lose Blätter in seiner unverkennbaren, klaren Handschrift.
Zurück zu den Wurzeln
Über Belgien und das Durchgangslager Friedrichsfeld bei Wesel wurde C. J. Hodapp am 24. Februar 1920 aus französischer Gefangenschaft nach Oppenau in Baden entlassen mit einem Entlassungsgeld von 842,20 Mark wegen seiner langen Gefangenschaft.
Was ihn bewogen hat, nur 4 Tage später nach Leimersheim, dem Geburtsort seiner Mutter und seiner mütterlichen Vorfahren zu reisen, ist nicht bekannt. Jedenfalls übte er ab dieser Zeit in Leimersheim sein erlerntes Schneiderhandwerk wieder aus und feierte im Juni 1920 die Verlobung mit Ida Horn (Bild4), der ältesten Tochter von 12 Kindern des Fischers Adam Horn und seiner Ehefrau Klara, geb. Keller (Bild5). Die Heirat fand im April 1921 in Leimersheim statt. Im selben Jahr legte er die Meisterprüfung im Schneiderhandwerk in Germersheim ab. Wohnung und Geschäftsadresse in Leimersheim war das Horn´sche Anwesen in der damaligen Hauptrasse 7 (Bild6 und 7) (neben dem Gasthof „Zum Anker“).
Als die Familie mit Sohn Heinz (1923 - 1943), den Töchtern Melanie (1925 -2000) und Else (1926 – 2022) größer wurde, zog man um in die damalige Hauptstraße 43 (Bild8 und 9) mit eigenem Arbeitsraum, Schaufenster und separaten Eingang für die Schneiderei. Erst in den 1950er Jahren – der Sohn war im Krieg gefallen, die beiden Töchter hatten geheiratet - zog man wieder zurück in die frühere Hauptstraße 7, und in der ehemaligen Schneiderei entstand das Café „Zum Palmengarten“.
Der Heimatschriftsteller
In all diesen Jahren entstanden unzählige Zeitungsaufsätze. In seinen Tagebuch-Blättern (Bild10) und vielen weiteren Texten versuchte er seine lange Kriegsgefangenschaft zu verarbeiten und zu vermarkten (Bild11). Mit heimatkundlichen Plaudereien, volkskundlichen Texten und heiter-besinnlichen geschichtlichen Stoffen aus dem pfälzisch-alemannischen Raum hat er sich einen weithin geschätzten Namen gemacht. Für den Rundfunk gestaltete er etwa 30 Sendungen. Über 500 Erzählungen und mehrere Bühnenstücke stammen aus seiner Feder, „geschrieben aus tiefer Liebe zur Heimat“, wie der Schriftsteller Willi Gutting (Bild12) über ihn sagte. Mit ihm und August Heinrich, dem „Bellemer Heiner,“ war er eng befreundet.
Seine größte schriftstellerische Leistung war die Erforschung und Niederschrift der Geschichte seines Heimatortes Leimersheim in den 1950er Jahren. Seine handschriftlichen Vorlagen übertrug er dabei mit Hilfe einer Triumph-Reiseschreibmaschine (Bild13) für die Druckerei. Das hierdurch entstandene Buch „Geschichte des Ortes Leimersheim und des weiteren Heimatraumes“ (Literatur) erforderte viel Mühe und erheblichen Aufwand für ihn, der ohne Auto und ohne Internet die Archive in Mainz, Speyer und Germersheim aufsuchte, um Dokumente zu sichten und zuzuordnen und daraus ein Gesamtwerk zu erstellen, welches der damalige Landrat Georg Weiß als „Pioniertat für den Kreis Germersheim“ bezeichnete.
Aber schon damals erkannte er, dass „die Arbeit nicht zu Ende sein konnte, da die Lücken des urkundlichen Materials zu groß seien“.
Der Ehrenbürger
Als Dank für dieses großartige, selbstlose Engagement und für die vielen anderen ehrenamtlichen Tätigkeiten im Gemeinderat und in den Vereinen ernannte ihn die Gemeinde am 20. Dezember 1961 zum Ehrenbürger. Dem Ehrenbürgerbrief (Bild14) setzte der damalige Bürgermeister und spätere Ehrenbürger Walter Kling (1914 – 2001) noch einen Vers voran:
„Der Väter Strom hat Deine Zeit berührt.
Das Einst hast Du dem Heut verbunden.
Du hast das Heut dem Morgen zugeführt
und so zum Mittler Dich bereitgefunden.“
Die Rheinpfalz schrieb am 30. Dezember 1961 zu diesem Anlass: Dieser Vers hat seinen tiefen Sinn. Carl Josef Hodapp hat in jahrelanger Arbeit die zwölfhundertjährige, wechselvolle Geschichte des Dorfes Leimersheim geschrieben und so „das Einst dem Heut verbunden und das Heut dem Morgen zugeführt.“ Dieses beachtliche Werk, das 360 Seiten Großformat umfasst, ist das Ergebnis mühevoller Forschungsarbeit, eine erschöpfende Chronik, die zurückreicht bis in das Jahr 778 und durch ihre liebevolle und saubere Gestaltung einen Wert erhält, der weit über den der üblichen Ortschroniken hinausreicht.
Zu seinem 80. Geburtstag erhielt er die Verdienstmedaille des Verdienstordens (Bild15) der Bundesrepublik Deutschland, auch weil er in all den Jahren neben seiner Chronistenpflicht in vielen Leimersheimer Vereinen (Krieger- und Militärverein, Turnverein 1922, Heimatbund u.v.a.m.) ehrenamtlich tätig war.
Lebensabend
Im Jahr 1961 sind Carl Josef Hodapp und seine Frau Ida von Leimersheim nach Berghausen bei Speyer umgezogen, um den Lebensabend in der Familie der Tochter Melanie zu verbringen. Er überlebte seine Frau um 11 Jahre und starb am 15. Oktober 1976 in Speyer, wo er auch vor 85 Jahren geboren wurde. Der Kreis hatte sich geschlossen.
Auch hierüber berichtete die RHEINPFALZ am Tag seiner Beerdigung und vermerkte, dass er stets mit Leimersheim verbunden blieb und ihm deshalb zahlreiche Leimersheimer in Berghausen das letzte Geleit gaben.
Text und Recherche: Karlheinz Bers, Enkel
Quellen: Ernst Marthaler, Leimersheim - Die Geschichte eines pfälzischen Dorfes am Rhein (2002)
Standesamtsbücher Leimersheim, GA Rülzheim
Festschrift des Krieger- und Militärvereins Leimersheim 1926, aus der Privatsammlung Karlheinz Bers
Fotografien: Privatsammlung Karlheinz Bers, Leimersheim
Koordination: Regina Flory
flo
Vater von: Hodapp Karl Heinz