Frühe Geschichte / Frühe Neuzeit

Frühe Geschichte
Leimersheim liegt in der Rheinniederung, bei Rheinkilometer 732 (Fähre), ungefähr 1,4 km vom Fluss entfernt auf einer geringen Erhöhung der Rheinaue. Seine Geschichte und das Leben seiner Bewohner sind eng mit dem Rhein verknüpft.
Erste Spuren einer Ansiedlung in seiner Gemarkung fand man in der Gewanne Wolfsberg, wo man etwa zwanzig Reihengräber aus der La-Tène-Zeit (etwa 500 v. Chr.) mit wertvollen Grabbeigaben entdeckt hat. Demnach gab es hier - trotz der Lage im Überschwemmungsgebiet des Rheins - schon recht früh eine kleine Siedlung.
Das heutige Leimersheim liegt etwa 1,5 km südöstlich von dieser Stelle und ist eine fränkische Gründung. Nach den Siegen des Merowingers Chlodwig über die Alemannen bei Köln und Straßburg um 500 n. Chr. festigten die Franken ihre Vormachtstellung in unserem Raum und siedelten nun auch in der Pfalz. Wie groß der Anteil der fränkischen Bevölkerung hier wurde, lässt sich nicht sicher sagen, es gilt jedoch, dass die neue merowingisch-fränkische Herrschaft Lebensweise, Sprache und Siedlungsformen in der Pfalz auf Dauer geprägt hat. Ein Beleg dafür sind die "-heim-Dörfer", die sich in großer Zahl in der Pfalz finden und zu denen auch Leimersheim zählt. Demnach ist Leimersheim als die Gründung eines fränkischen Grundherrn, Sippenältesten oder Anführers namens Leidmar zu sehen, der hier eine Wohnstätte, ein Dorf oder "Heim" für seine Sippe schuf, das nach ihm benannt wurde. Dies könnte sich im 6. Jahrhundert zugetragen haben, eine Zeit, aus der es für dieses Gebiet kaum schriftliche Quellen gibt.
 
Leimersheim im Mittelalter

Die erste schriftliche Erwähnung, die sich auf Leimersheim beziehen lässt, findet sich im Codex Laureshamensis, einem Besitzverzeichnis des Klosters Lorsch. Hier wird für das Jahr 778 ein "Luitmarsheim" im Speyergau genannt, das eine Reihe älterer Geschichtsforscher wie J.G.Widder oder Michael Frey auf Leimersheim beziehen. Neuere Forscher, vor allem Ernst Christmann, lehnen dies ab und geben an, dass damit Laumersheim gemeint sei. Allerdings liegt Laumersheim eindeutig im Wormsgau. In der Leimersheimer Tradition (Pfarrer Labbé (1833-1863), aber auch in den beiden Ortschroniken) wurde 778 als das Jahr der ersten schriftlichen Erwähnung angesehen und zum Anlass für ein großes Fest, eine 1200-Jahr-Feier im Jahre 1978, genommen.
 
Für die Zeit um 800 wird im Besitzverzeichnis des Klosters Fulda ein "Leidmaresheim" genannt, ebenso in einem Dokument des Klosters Weißenburg, beide Male aber ohne genaue Jahresangabe. Diese Erwähnungen stammen alle aus der Zeit Karls des Großen (768-814), des bedeutendsten Herrschers der Franken, der im Jahre 800 in Rom zum Kaiser gekrönt wurde.
Erst 160 Jahre später erfahren wir dann aus einer Tauschurkunde Genaueres zu Leimersheim. Im Jahre 960 übertrug nämlich ein Edler namens Rudolf dem Bischof von Speyer im Rahmen eines Gütertauschs alles, was ihm "in villa Leimersheim" gehörte. Genannt werden: Gebäude, Hörige, Felder, Wiesen, Wald und Weiden, Wasser, Fischereien und vor allem eine Zehntkirche. Demnach war der Adlige Rudolf ein bedeutender Grundherr in Leimersheim; an seine Stelle trat nun der Bischof von Speyer. Von einer Burg ist in dieser Urkunde noch nicht die Rede, doch könnte sie auf dem Gut dieses Grundherrn gebaut worden sein.
 
Von großer Bedeutung für die Entwicklung von Leimersheim wurde das Jahr 1103, denn in diesem Jahr gründete der Edle Hermann von Spiegelberg in der unmittelbaren Nachbarschaft, in Hördt, ein Augustinerchorherrenstift, die Propstei Hördt.
Das Kloster entwickelte sich zunächst sehr gut und erhielt immer wieder Schenkungen von den Adelsfamilien der näheren Umgebung, auch in Leimersheim. So ist aus dem Jahr 1182 bekannt, dass der Adlige Vimar zu seinem und seiner Angehörigen Seelenheil der Propstei Hördt seine Güter und Rechte in Leimersheim vermachte.
Bedeutsamer ist jedoch das Jahr 1270, in dem es dem Hördter Stift gelang, die "Propsteidörfer" Leimersheim, Kuhardt, Pfotz und Winden zu erwerben. Dabei bildete Leimersheim den Mittelpunkt, zu ihm gehörte eine Mühle und vor allem eine Burg mit einem umfangreichen Großgut. Auch das Patronatsrecht, wonach der Propst den Pfarrer von Leimersheim bestimmen konnte, wurde erworben.
Winden war ein Ort zwischen Leimersheim und Schröck, heute Leopoldshafen, und verfügte über eine Fähre ("var"). Im 15. Jahrhundert wurde es vom Rhein weggeschwemmt. Die Fähre blieb jedoch erhalten und wurde mit Schröck verbunden.
Der Propst zu Hördt war damit für die nächsten Jahrhunderte Dorfherr in Leimersheim und genoss die Rechte, welche in den späteren Weistümern genauer festgelegt sind: Wie man daraus erfährt, war die Propstei demnach Inhaberin der niederen Gerichtsbarkeit. Dabei galten Leimersheim und Kuhardt zwar als zwei unterschiedliche Dörfer, aber als eine ungeteilte Gemeinde mit einem gemeinsamen Dorfgericht. Dem Stift waren von den Bewohnern Abgaben und Frondienste zu leisten; Strafgelder fielen an den Propst. Darüber hinaus bestellte der Propst den Dorfvorsteher, das Dorfgericht, den Büttel, den Glöckner und auch den Pfarrer. Die Gemarkung galt als Eigentum des Stifts, das in der Allmendnutzung Vorrechte genoss und auch über den Wald verfügte. Allerdings durften sich die Dorfbewohner nicht nur das notwendige Holz zum Bauen und für Geräte holen, sondern sich auch mit wilden Äpfeln und Birnen versorgen.
1322 wird erstmals das Patrozinium der Leimersheimer Pfarrkirche, Sankt Gertrud, genannt. So bestimmte das Hördter Stift in den folgenden Jahrhunderten das dörfliche Leben in Leimersheim.
Während zunächst der Speyerer Bischof als Oberherr der Propstei und damit auch Leimersheims galt, gelang es den Pfalzgrafen im späten Mittelalter ihre Oberhoheit durchzusetzen, so dass der kurpfälzische Vogt in Germersheim bei oberherrlichen Aufgaben für Leimersheim zuständig wurde.
 
Leimersheim in der frühen Neuzeit
Im Bauernkrieg 1525 nutzten aufständische Bauern aus dem badischen Raum die Fähre bei Leimersheim und plünderten die klösterlichen Einrichtungen. Aus dem Jahr 1535 ist eine Nachricht erhalten, die uns die ständige Gefährdung durch den Rhein bewusst macht: Das alte Dorf Pfotz, nur etwa 2 km von Leimersheim entfernt, wurde Opfer der Fluten und seine Bewohner erhielten vom Propst die Erlaubnis, den Ort als Neupfotz am heutigen Standort neu aufzubauen.

Inzwischen hatte die Reformation, ausgehend von Luthers Thesenanschlag in Wittenberg 1517, auch die Kurpfalz erreicht. Dadurch änderten sich in Leimersheim die religiösen und herrschaftlichen Verhältnisse. Gemäß dem Augsburger Religionsfrieden von 1555 setzte Kurfürst Friedrich III..von der Pfalz in seinem Gebiet das reformierte Bekenntnis durch, in Leimersheim 1556, die Propstei Hördt blieb noch bis 1566 bestehen. In diesem Jahr löste ein kurpfälzischer Schaffner den Propst Wendel von Remchingen in der Verwaltung des Propsteiguts ab. Wie andere säkularisierte Kirchengüter wurde das Augustinerchorherrenstift mit seinem reichen Grundbesitz vor allem in der südlichen Pfalz (unter anderem ca. 6.800 Morgen Äcker, 65 Morgen Weingärten und 1.800 Morgen Wiesen und größere Auwälder) später der Verwaltung der "Geistlichen Güteradministration" in Heidelberg unterstellt. Ihr "Schaffner" trat nun in der Wahrnehmung der dorfherrlichen Aufgaben an die Stelle des Propstes.
 
Mit der Übernahme der Verwaltung durch die Kurpfalz war jedoch keine Besserung der Verhältnisse in Leimersheim verbunden, eher das Gegenteil trat ein, wie z.B. aus einer Nachricht aus dem Jahr 1589 zu entnehmen ist, als der damalige Schultheiß Kaspar Bürckel mit weiteren Vertretern der Gemeinde nach Heidelberg reiste, um bei den kurfürstlichen Behörden Nachlässe bezüglich der Abgaben zu erreichen.
 
Die beiden folgenden Jahrhunderte bringen für Leimersheim - wie für die gesamte Region - keine gute Entwicklung.
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Leimersheim bis zum 19. Jahrhundert
Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) führte dazu, dass Leimersheim von unterschiedlichen Kriegsherren ausgebeutet und geschädigt wurde. Dem Versuch der Rekatholisierung durch die Kaiserlichen folgte der Umschwung durch die Schweden unter Gustav Adolf. Danach geriet das Stift und damit Leimersheim wieder in katholische Hand. Für kürzere Zeit gelang es dem Augustinerchorherrn, Propst Krane, das Hördter Kloster zu übernehmen, doch setzte schließlich die Kurpfalz ihre Besitzansprüche gegenüber dem Orden und dem Bischof von Speyer erneut durch.
Leimersheim hatte während der Kriegswirren schweren Schaden erlitten, seine Bevölkerung war stark zurückgegangen..Im Jahre 1661, rund zehn Jahre nach den Friedensschlüssen von Münster und Osnabrück 1648, zählte man in Leimersheim etwa 200 Einwohner (1610 waren es noch 600 gewesen!). Nun fungierte wieder ein kurpfälzischer Schaffner im Dienste der „Geistlichen Güteradministration“ als Dorfherr und Verwalter des Klosterbesitzes in Leimersheim.
 
Die folgenden Jahrzehnte bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts waren geprägt von Versuchen Frankreichs, die Rheingrenze zu erlangen und zu behaupten. Die damit verbundenen kriegerischen Unternehmungen betrafen immer wieder auch Leimersheim und verhinderten eine dauerhafte gute Entwicklung. So drangen 1680 die Truppen Ludwigs XIV. in das Oberamt Germersheim ein. Den Bewohnern wurde verboten, dem Pfalzgrafen weiter zu huldigen. Auch wurde im Zuge dieser Besetzung wieder das katholische Bekenntnis eingeführt. Zwar entging das Oberamt Germersheim als bereits von Frankreich beanspruchtes und besetztes Gebiet den Zerstörungen des Pfälzischen Erbfolgekrieges (1688-97), doch litt die Bevölkerung auch hier unter Truppendurchzügen, Requisitionen und Einquartierungen.
1697 fiel das Oberamt Germersheim wieder an die Kurpfalz zurück. Hier herrschte inzwischen der katholische Kurfürst Johann Wilhelm, so dass in Leimersheim das katholische Bekenntnis, das die Franzosen wieder eingeführt hatten, bestehen blieb.
 
Während des Spanischen Erbfolgekrieges (1701-1714) war die Südpfalz erneut Kriegsschauplatz, die Klosterdörfer wurden mehrfach geplündert, das "Schloss" in Leimersheim nahm schweren Schaden. Dann gab es einen positiven Schub. Zwar wurde zunächst 1718 "das alte Schlösslein zu Leimersheim samt den dazu gehörigen drei Türmen, Mauern, ..."  für 531 Gulden zum Abriss verkauft (Begründung: Die Burg hatte während der Kriegszeiten den unterschiedlichen (Kriegs-) Parteien zum Schaden der Untertanen als Aufenthaltsort gedient).
Doch nun, 1726, wurde das Pfarrhaus neu errichtet und wenig später, 1729-1732, auch die wieder katholische Kirche. Für den Neubau war der Schaffner der Geistlichen Güteradministration verantwortlich, der auch Steine der Hördter Propsteikirche verwenden ließ, die man damals abriss.

Rund zehn Jahre später wurde Leimersheim noch einmal Kriegsschauplatz. Während des Österreichischen Erbfolgekrieges,am 30.Juni 1744, überquerte der berühmt/berüchtigte Franz von der Trenck an der Spitze von 1300 Panduren den Rhein zwischen Schröck und Leimersheim. Für weiteren Truppennachzug wurde dann eine Schiffsbrücke errichtet. Die neue Pfarrkirche wurde zum Glück nicht zerstört und man stattete sie 1752 mit einem glanzvollen barocken Hochaltar aus mit einer Abendmahldarstellung gemalt von Johann Georg Bruder. Pfarrer Schönwald, der diesen Bau betrieben hatte, beschrieb auf Anweisung des Speyerer Bischofs den "Status" der Pfarrei; demnach besaß Leimersheim damals insgesamt 715 Einwohner, davon 674 Katholiken, 17 Calvinisten, 3 Lutheraner und 21 Juden.
 
Leimersheim und die Folgen der Französichen Revolution
Die für Leimersheim erfreuliche Zeit des Friedens und Fortschritts ging jedoch bald zu Ende. In Frankreich brach 1789 die "Grande Revolution" aus, die in den folgenden Jahren die Pfalz erreichte. Französische Revolutionstruppen besetzten Leimersheim und versuchten auch hier die neuen Ideen zu verbreiten.
1793 kam es bei Leimersheim zwischen Deutschen und Franzosen zu einem blutigen Kampf, bei dem zahlreiche Republikaner ihr Leben lassen mussten. Zwar wurde die Kirche geplündert, doch blieb sie dank des klugen Verhaltens des damaligen Schulgehilfen, Jakob Kirnberger, unzerstört. Das revolutionäre Frankreich konnte sich schließlich gegen die alten Kräfte behaupten und erhielt im Frieden von Lunéville 1801 auch völkerrechtlich das linke Rheinufer, das es schon mehrere Jahre besetzt hatte. Leimersheim war nun französisch und dem Département Mont Tonnerre (Donnersberg) zugewiesen, es bildete dessen südöstlichsten Ausläufer. Jetzt wurde die Amtssprache Französisch, die Gemeindeakten waren französisch zu führen. An der Anlegestelle der Fähre wurde eine Zollstation errichtet, der Rhein war jetzt Grenze zu den deutschen Staaten.
 
Die Revolutionskriege hatten die napoleonischen Feldzüge im Gefolge. Sie belasteten nicht nur materiell die Bevölkerung, sondern diese musste auch personell Opfer bringen und Rekruten für Napoleons Armeen stellen. Der Druck war offensichtlich so groß, dass sich 1809 viele Leimersheimer entschlossen auszuwandern. 107 Personen verließen den Ort in Richtung Südosteuropa (Bessarabien), um dort eine neue Heimat zu finden. Zwischen 1804 und 1842 sollen insgesamt 72 Familien aus Leimersheim nach Südrussland ausgewandert sein. Manche ließen sich jedoch nicht für immer dort nieder, sondern zogen weiter nach Nordafrika oder Amerika.
 
Das Leben an der Grenze hatte weitere Folgen: Durch Napoleons Zollpolitik entstand bezüglich unterschiedlicher Waren ein erhebliches Preisgefälle zwischen Frankreich und den deutschen Staaten. Hinzu kam, dass die Rheingrenze zu dieser Zeit sehr unübersichtlich war. So tat sich für die Bewohner der Rheindörfer eine neue Erwerbsquelle auf: der Schmuggel. In Leimersheim bildete sich eine "Schmugglervereinigung", die in größerem Stil und über längere Zeit Handelsgüter "einschwärzte" und damit gut verdiente. Doch dann kam es 1811 zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung zwischen dem französischen Zoll und den Schmugglern, bei der ein Zollgardist erschossen und zwei weitere schwer verletzt wurden. Die französische Gendarmerie verhaftete zwölf Männer aus Leimersheim und brachte sie nach Straßburg, wo sie vor Gericht gestellt wurden. Johann Ziemer, der die Schuld auf sich nahm, wurde zum Tod verurteilt und auf dem Schafott hingerichtet, einer starb im Gefängnis, die übrigen erhielten längere Freiheitsstrafen, kamen aber nach der Niederlage Napoleons 1814 wieder frei und kehrten nach Leimersheim zurück.

Text: Anton Kuhn
Quellen:
Boltz, Alfred, Neupotzer Heimatbuch / Die Geschichte eines Dorfes in der Rheinaue, die Geschichte eines Dorfes im Grenzland., Hrg.: Gemeinde Neupotz
Hodapp, Carl Josef, Geschichte des Ortes Leimersheim und des weiteren Heimatraumeraumes, Hrg.: Heimatbund Leimersheim, Speyer 1960
Kuhn, Anton, Die Schmuggleraffäre zu Leimersheim 1811-1814, Hrg.: Gemeinde Leimersheim 2011; 1225 Jahre Leimersheim, Festschrift 2003, Hrg.: Gemeinde Leimersheim
Marthaler, Ernst, Leimersheim. Die Geschichte eines pfälzischen Dorfes am Rhein, Hrg.: Gemeinde Leimersheim 2002

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