Mädchenname: Liebel
Beruf(e):
Hebamme
Geburtsdatum: 11.09.1907
Geburtsort: Leimersheim
Sterbedatum (Todestag): 03.09.1980
Sterbeort: Ludwigshafen a. Rhein
Begräbnisort: Leimersheim
Wohnort(e):
Leimersheim
Mit offenen Armen – Amanda, die letzte Gemeindehebamme in Leimersheim
Amanda Kreger aus der Hirtengasse war in Leimersheim die letzte der Hebammen, die werdende und stillende Mütter vor Ort betreute. Mit ihrer vornehmen Art, den Frauen beiseite zu stehen und sich um die jüngsten Weltankömmlinge zu kümmern, bleibt sie bis heute unvergessen.
Ihre Ausbildung begann die junge Amanda 1935 auf der Hebammenschule in Bamberg. Ein Jahr später nach dem Examen konnte die talentierte, pragmatische junge Frau im Alter von 29 Jahren ihren Dienst in Leimersheim beginnen. Der berühmte „Hebammenkoffer" und ein Fahrrad gehörten zur Grundausrüstung. Früher war es Brauch, dass die frisch examinierte Hebamme bei dem ersten Kind, das sie selbständig in die Welt begleitet, auch die Patenschaft übernehmen darf. So wurde 1936 die kleine Ruth von Müller-Bäckers in der Rheinstraße das Patenkind von Amanda, das auch zur Hl. Kommunion beschenkt wurde.
Die meisten der Geburten fanden früher zuhause statt, ein Arzt wurde nur in ganz seltenen Fällen gerufen. Es lag in der Verantwortung einer Hebamme zu beurteilen, ob bei Risiken oder auch während den Wehen eine stationäre Intervention notwendig war. Für die Mütter war sie eine Vertraute, die sich ebenso resolut für deren Belange einsetzte. Nach einer längeren Geburt, die sich während des Umbaus eines Hauses ereignete, rief sie laut und bestimmend den Bauarbeitern zu: „So ihr Herren, jetzt macht ihr mal Feierabend, da hat gerade eine Frau ein Kind zur Welt gebracht und die braucht erstmal Ruhe!"
Den werdenden Müttern während den Kriegswirren beizustehen, war eine ganz besondere Aufgabe. Dass sie sich außerdem nicht mit der „neuen politischen Ideologie“ konform zeigte, erschwerte diese Situation zusätzlich. Ebenso in der Nachkriegszeit war die Versorgung der Frauen und Kinder nicht einfach, da es an allem fehlte.
Bei den örtlichen Ärzten genoss die Hebamme mit ihren medizinischen Kenntnissen ein hohes Ansehen. Ihre täglichen Einsätze, selbst die Hilferufe bei Nacht, erledigte sie mit Sorgfalt und leiser Hand. Nach 1960 fanden die Entbindungen fast ausschließlich im stationären Rahmen statt. Hier begleitete sie die Gebärenden ins Krankenhaus. Auch nach ihrem Ruhestand hieß es immer noch bei Sorge um Mutter und Kind: „Hole mer besser die Hebamm'!“
Für die meisten der Leimersheimer, die zwischen 1936 und 1974 geboren wurden, war Amanda Kreger der erste Mensch, der sie in den Armen hielt – ein Mensch, dem man „sein Leben anvertrauen" konnte.
Text und Recherche: Regina Flory (2021)
Quelle: Margarete Richter (geb. Kreger) und Bernhard Kreger
Fotografien: Fotoalbum Familie Kreger, Fotograf: Bernhard Kreger
flo/red
Weiteres Leben:
Catharina Schwab, Hebamme