Beruf(e):
Straßenwärter
Geburtsdatum: 02.01.1920
Sterbedatum (Todestag): 11.02.2005
Sterbeort: Speyer
Begräbnisort: Leimersheim
Der "Sonntagsbettler" Franz Hoffmann
Die christliche Nächstenliebe war der Motor für die vielfältigen Aktivitäten von Franz Hoffmann. Im Jahr 1965 war der "Sonntagsbettler" erstmals am Sonntagvormittag unterwegs, um bei Freunden und Bekannten für in Not lebende Menschen zu sammeln. Bei diesen Besuchen wünschte Franz Hoffmann stets Gottes Segen und einen besinnlichen Sonntag. Meist gab er noch einen Bibelvers mit auf den Weg. Aus diesen Anfängen entwickelten sich zahlreiche Aktionen, die er initiierte und organisierte. Seine Familie unterstütze ihn bei allem Tun vorbildlich.
Da war zunächst Schwester Miguela (Luise Keller), eine aus Leimersheim stammende Ordensfrau. Sie kümmerte sich in Ghana um die medizinische Versorgung und den Lebensunterhalt der Menschen mit dem Notwendigsten. Vorrangig war sauberes Trinkwasser und so bohrte man Brunnen und finanzierte diese mit Hilfe der gesammelten Gelder.
Franz Hoffmann organisierte das "Kerweständel". Es wurde von vielen fleißigen Helfern aufgebaut und bewirtschaftet. Ebenso am 1. Mai die "Missionsklause". Beide Treffpunkte sorgten für vergnügte Unterhaltung und das leibliche Wohl an den Feiertagen. Der jährliche, über 20 Kilometer lange Hungermarsch brachte reichlich Kilometergeld. Diese Aktivitäten bestehen teilweise immer noch; ihre Organisation liegt nun in jüngeren Händen.
Zwei Frauengruppen nähten Kleidung, meist für Kinder. Eifrig wurden zuhause Quadrate gestrickt, um daraus Decken zu nähen und abzufüttern. In der Garage der Familie Hoffmann stapelte sich Wäsche, Kleidung und Lebensmittel, die per Container nach Akwatia transportiert wurden und dort halfen, die Not zu lindern. Später wurden diese Sendungen aufgrund der Selbsthilfe der ghanaischen Bevölkerung und der hohen Transportkosten eingestellt.
Die Helfergemeinschaft unterstützt weltweit Missionsstationen. Enge Kontakte bestanden und bestehen zu Schwestern und Patres der Steyrer Missionare, Don Bosco, Andheri-Hilfe, Comboni Missionare und den Schönstätter Schwestern. Bedacht wurde auch die Christoffel Blindenhilfe. Bei Naturkatastrophen leistet die Helfergemeinschaft immer wieder erste Hilfe.
Mit zunehmendem Alter und abnehmender Vitalität erhielt der "Sonntagsbettler" Unterstützung durch Gertrud Schwab. Beim Sammeln wurde sie oft begrüßt mit einem herzlichen "Oh, de Franz kimmt". Nach dem Tod von Franz Hoffmann übernahm seine Tochter Anita Emling zusammen mit ihr das Sammeln und Verteilen der gespendeten Gelder. So kann das Lebenswerk des "Sonntagsbettlers" weiter bestehen zum Wohl der Menschen, denen es schlechter geht als uns in Leimersheim.
Die Teilnehmer der Helfergemeinschaft erhalten jährlich einen Bericht über die eingenommenen Spenden, die verteilten Gelder und den Verwendungszweck in den verschiedenen Ländern. Aufgrund der Alterstruktur ging die Zahl der Spender von anfangs ca.110 auf 70 im Jahr 2021 kontinuierlich zurück. Seit Bestehen der Helfergemeinschaft "Sonntagsbettler" wurden bis 2021 rund 600.000 Euro gesammelt und verteilt.
Franz Hoffmann ist bei seinem unglaublichen Engagement ein tiefgläubiger, bescheidener Mensch geblieben. Ausschließlich das Fahrrad benutzte er für alle Fahrten. Mit seiner Eigeninitiative und seinen guten Ideen war er immer uneigennützig im Einsatz für die Armen in der Welt.
Text: Gertrud Schwab
Fotografien: Fotoalbum Franz Hoffmann
sch/red