Beruf(e):
Königlicher Steuer- und Gemeindeeinnehmer
Geburtsdatum: 30.01.1834
Geburtsort: Ellerstadt
Sterbedatum (Todestag): 17.02.1900
Sterbeort: Ludwigshafen-Oppau
Begräbnisort: Frankenthal (Pfalz)
Wohnort(e):
Annweiler, Trippstadt, Leimersheim, Ludwigshafen-Oppau
Artikel "Die Rheinpfalz", 31.01.2020, von Helmut Sittinger
Nachfahren des Ehrenbürgers in Auschwitz ermordet
Abraham Weil gründete und leitete einst die gemeindliche Sparkasse in Leimersheim. Viele seiner Kinder emigrierten, andere starben.
Elf in Leimersheim geborene und weitere fünf in Leimersheim lebende Juden wurden im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Weitere 16 starben in anderen Konzentrationslagern. Allerortens wird derzeit der Gräuel von Auschwitz gedacht. Das KZ Auschwitz steht stellvertretend für eine Reihe von Vernichtungslagern, für den Mord an Millionen jüdischer Europäer durch Deutsche. Weder damals noch heute kaum vorstellbar, stellt der Holocaust den grausigen Höhepunkt eines jahrhundertealten Antisemitismus in Europa dar. Allein in Auschwitz wurden bis zur Befreiung des KZ vor 75 Jahren durch die sowjetische Armee weit über eine Million Menschen vergast und verbrannt, in 46 Verbrennungskammern und im Freien davor. Darunter auch die jüdischen Mitmenschen aus Leimersheim.
Konvertierung zum Christentum schützte nicht vor Verfolgung.
In Leimersheim lebten einst viele Juden, waren integriert und geachtet. Darunter der erste Ehrenbürger von Leimersheim Abraham Weil. Er war königlicher Steuer- und Gemeindeeinnehmer und kam auf eigenen Wunsch 1870 nach Leimersheim. Er wirkte dort "während der schwierigsten Zeitlage" der Gemeinde "zur Hebung des materiellen Wohles ... unablässig ... besonders durch Gründung und sorgfältige Leitung einer gemeindlichen Sparkasse". Außerdem war er über zehn Jahre Vorsitzender des Männerchors. Von seiner Ehefrau Bertha, Tochter eines liberalen Rabbiners von Kaiserslautern, bekam er acht Kinder in Leimersheim und zwei in Oppau, wohin die Familie 1883 zog. Als Abraham Weil 1900 in Oppau verstarb, lebten noch sieben seiner Kinder, davon drei in Amerika. Mehrere seiner Kinder heirateten Christen und konvertierten zum Christentum, was sie jedoch nicht vor der Verfolgung durch die Nationalsozialisten schützte.
Auch sie mussten aufgrund rassistischer Wahnvorstellungen Ende der 30er-Jahre in die USA emigrieren. Dazu gehörten Thekla, Mutter des bekannten Musikers Hans Moldenhauer, und Ludwig Weil, bis kurz vor seiner Emigration 1935 Chef der Deutschen Bank in München und BMWAufsichtsratsmitglied. Härter traf es die 1882 in Leimersheim geborene Tochter Mathilde Weil. Sie heiratete in Mannheim den jüdischen Uhrenmacher Karl Fischel und bekam vier Kinder. Die Familien Weil und Fischel waren im Religiösen sehr liberal, aber politisch eher konservativ und national orientiert, was sich auch in den Namen der Kinder – Ludwig, Wilhelmina, Kurt und Albert – widerspiegelt.
Während die drei Söhne noch rechtzeitig in die USA fliehen konnten, wurde Mathildes einzige Tochter Wilhelmina Bertha, genannt Minna, mit Ehemann und Sohn am 5. März 1943 im KZ Auschwitz vergast und verbrannt. Ihr ältester Bruder Albert, der in Mannheim Nationalökonomie studierte und 1937 in die USA emigrierte, schrieb noch im hohen Alter an die Gemeinde Leimersheim: "Der Name Abraham-Weil-Straße wird hoffentlich weiter dafür Zeuge sein, dass mein Großvater das Ehrenbürgerrecht redlich verdient hat, und die Gedenkstätte am Synagogenplatz möge eine Mahnung an eine unheilvolle Zeit sein."
Text: Helmut Sittinger
Quelle: Die Rheinpfalz, 31.01.2020
Fotografie: Wikipedia
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