Leimersheim, ein Dorf in der Rheinniederung und die Hochwasser des Rheins

Leimersheim liegt inmitten der Rheinniederung bei Rheinkilometer 372 (Fähre), etwa gleich weit vom westlichen wie vom östlichen Hochufer entfernt. Seine Gemarkung erstreckt sich nur im Tiefgestade des Rheins. Dennoch besteht der Ort seit über 1200 Jahren. Wie andere „-heim-Dörfer“ ist auch Leimersheim eine fränkische Gründung. Seine Kirche erhebt sich auf der höchsten Stelle der Gemarkung. Sie geht - laut einer Urkunde aus dem Jahre 960 - auf eine „Zehntkirche“ auf diesem Standort zurück. In unmittelbarer Nachbarschaft wurde später auch eine Burg errichtet, die man im 18. Jahrhundert allerdings abgerissen hat. Um diesen Kern entwickelte sich die Gemeinde bis heute. Leimersheim konnte sich also im Laufe seiner Geschichte, trotz seiner Lage im Überschwemmungsgebiet des Rheinstroms und der alljährlich wiederkehrenden Hochwasser, in der Rheinniederung als Wohnsiedlung behaupten.

Auch wenn aus den frühen Jahrhunderten nur wenig über die Bedrohung des Ortes durch die Rheinhochwasser überliefert ist, war diese Gefahr doch ständig gegeben. Dies lässt sich aus der Tatsache schließen, dass mehrere historische Siedlungen in der näheren Umgebung von Leimersheim, welche ebenfalls in der Rheinniederung lagen, durch die Einwirkung des Rheins entweder ganz oder teilweise verschwunden sind - so Winden zwischen Leimersheim und Leopoldshafen, Dettenheim nordöstlich von Leimersheim oder Vorlach bei Wörth - oder aber verlegt wurden - wie Potz nach Neupotz. Sicherlich war es eine ganz besondere historische Leistung unserer Vorfahren, die Existenz des Ortes erhalten zu haben.

In der Pfalz haben die Bewohner vieler Dörfer Spitznamen, die meist einen charakteristischen Wesenszug des jeweiligen Ortes kennzeichnen. So werden die Leimersheimer als „Wasserhinkle“ geneckt, eine Bezeichnung, die vor allem in früheren Zeiten für die Leimersheimer sehr treffend war, denn sie lebten - wie das Grünfüßige Teichhuhn - am, im, mit und teilweise sogar vom Wasser.
 
Die Hochwassersituation vor Tulla
Inwieweit die fränkischen Siedler ihre Häuser und Felder gegen Hochwasser geschützt haben, ist nicht bekannt. Im späteren Mittelalter versuchte man bereits, größere Teile der Anbauflächen und damit auch das Dorf durch Felddeiche vor Überschwemmungen zu sichern. Doch unterschied sich die Hochwassersituation damals wesentlich von der heute. Der Rhein hatte ein relativ weites Bett - die Rheinniederung ist etwa 6-8 km breit -, hier „mäanderte“ der Strom, bildete also größere Schlingen, die sich immer wieder verschoben. Bei Hochwasser konnte er sich ausbreiten, wodurch die Wasserstände generell niedriger waren. Allerdings verlegte er dabei des öfteren seinen Hauptstrom, was die Existenz einer Siedlung in der Niederung gefährden konnte, wie die oben genannten Beispiele belegen...


Die ganze Geschichte von Anton Kuhn über die Hochwasser des Rheins, die wiederkehrende Gefahr für das Dorf und seine Bewohner sowie die Situation vor und nach der Rektifikation durch Johann Gottfried Tulla finden Sie hier.