Unter den Handwerkern des Dorfes war der Schmied der wichtigste, denn er war unentbehrlich. Kein größerer Ort kam in früherer Zeit ohne diesen Handwerker aus. Schon die Bibel beschwört diesen Zustand, wenn sie berichtet, daß die Philister gegen die Hebräer zogen und kein Schmied gefunden wurde, „als man eine Pflugschar, eine Haue, ein Beil oder eine Sense und Gabel zu schärfen hatte." Und bei Jesaia heißt es: „Er schmiedet das Eisen in der Zange, arbeitet in der Glut, bereitet es mit Hämmern und arbeitet daran mit der ganzen Kraft seiner Arme ...' Der Schmied, und vor allem der Hufschmied, ist demnach einer der ältesten Handwerksberufe.
Seine Fertigkeiten verhalfen dem Menschen zu Erfolg beim Kampf und bei der Jagd. Aber auch für den Ackerbau war er von Anbeginn an ein Helfer, der das notwendige Arbeitszeug herstellte, den Pflug, die Hacke, die Sense und die Sichel. In der Vergangenheit gab es für ihn stets viel Arbeit.
Ein Schmied gehörte einfach zum Dorf dazu. Leimersheim hatte lange Zeit sogar zwei Schmiede. Diese Handwerker waren in der Regel starke Männer, denn die Arbeit war hart und erforderte große Muskelkraft, doch auch ihrer ganzen Persönlichkeit nach waren sie meistens sehr geachtet in der Bürgerschaft. Das Hufeisen, das erst im 9. Jahrhundert aufgekommen ist, hat das Pferd auch als Zugtier verwendbar werden lassen, ebenso wie das eisenbeschlagene Wagenrad Transporte über lange Strecken ermöglichte.
Der Hufschmied hat in früherer Zeit aus Flacheisen die Hufeisen noch selbst auf dem Amboß geschmiedet. Der Meister hielt dabei den Setzhammer, während der Geselle oder der Zuschlä-ger mit dem schweren Zuschlaghammer draufschlug. Der Lehrling mußte den Blasbalg ziehen, wodurch das Feuer auf der Esse angefacht wurde. Dieses Feuer in der Schmiede glühte immer bis zum Feierabend. Es war stets eine starke Glut nötig, um das Eisen zum Glühen zu bringen, das geschmiedet werden sollte. Stand der Schmied allein an der Esse, so stocherte er mit der einen Hand das Eisen in die Glut, während die andere Hand den Blasbalg bediente. Waren die Hufeisen fertig, dann wurden sie auf die Hufe genagelt. Dies fand im Hof der Schmiede statt. Dort stand der Dreifuß und darauf wurde der Huf des Pferdes gestellt, damit er abgeraspelt werden konnte. Dann nahm der Bauer ein Bein des Pferdes hoch und der Schmied schnitt den Huf aus. Danach brannte er das Hufeisen auf und schlug die Nägel, die einen rechteckigen Kopf hatten, ein. Die Nagelspitzen, die durch die Hufwand nach außen drangen, wurden abgezwickt, umgebogen und in den Huf eingehämmert. Ein eigentümlicher scharfer Geruch von verbranntem Horn erfüllte den Hof der Schmiede, wenn ein Pferd beschlagen wurde. Und sogar in der Nachbarschaft konnte man es riechen, wenn in der nahegelegenen Schmiede die Hufe beschlagen wurden. (E) Auch die als Zugtiere eingesetzten Ochsen und Kühe erhielten in ähnlicher Weise einen Schutz aus Eisenblech auf ihre Klauen.
In alter Zeit war die scharfe Axt aus Eisen, die vom Schmied auf seiner Esse glühend gemacht und dann auf dem Amboß geschmiedet worden war, in der Hand des Mannes ein gutes Arbeitsgerät oder eine gefährliche Waffe. Noch in der 1. Hälfte des vorigen Jahrhunderts hatte der Dorfschmied neben dem Hufbeschlag ein weites Arbeitsfeld: Er schärfte die Beile und Äxte der Holzhauer und die Hämmer und Meißel der Maurer. Auch verfertigte er die Reifen aus Flacheisen für die Fässer des Küfers. Auf die vom Wagner hergestellten Räder zog er die eisernen Reifen auf. 20
Im Sommer, zur Zeit der Heu- und Getreideernte, war bis in den späten Abend das helle Klingeln der Hämmer aus der Schmiede zu hören, mit denen die Sensen und Sicheln der Bauern geschärft wurden. Man sagte, die Sensen werden „gedengelt", damit am nächsten Tag die Mäher auf der Wiese oder im Getreide einen guten Schnitt machen konnten.
Julius Ziemer und Albert Ochsenreither und danach noch dessen Sohn Fritz waren die letzten Schmiede im Dorf. In den Familien der Schmiede hatte sich der Beruf jeweils auf mindestens einen der Söhne übertragen. Im 19. Jahrhundert gab es auch noch eine Schmiede-Familie Schaaf, doch deren Nachkommen wanderten nach Amerika aus. Einen Hufschmied gibt es in Leimersheim nicht mehr. Dagegen sind zwei Schlossereien im Dorf vorhanden.
Die Gemeinde Leimersheim führt in ihrem Wappen von altersher das Hufeisen. Damit wird bezeugt, daß die Landwirtschaft und deswegen auch das Schmiedehandwerk im Dorf eine große Bedeutung hatten.
Quelle: Ernst Marthaler, Leimersheim - Die Geschichte eines pfälzischen Dorfes am Rhein (2002) Seite 489 -491
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